Klangkunst

Geigenbau ist Teil der bildenden Kunst und somit sinnbildlich für den kulturellen Zweig des Menschen in der Musik, bestehend aus dem Dreiklang Musiker, Komponist und Erbauer.

Fälschlicherweise wurde der Geigenbau, als er im 17. Jahrhundert von Italien aus über die Alpen kam, in das deutsche Zunft und Handwerkssystem transferiert, weil jenes zu dieser Zeit präsent war und für jede handwerkliche Tätigkeit galt. Doch damit ging nicht nur der elementare Kern einer Geige, als Werkzeug menschlicher emotio zu dienen, verloren, sondern sie verkam zu einem rein handwerklichen, technischen Erzeugnis im Laufe der Jahrhunderte bis heute. Doch wie viel Wissen tatsächlich bis nördlich der Alpen gelang ist fragwürdig, wenn selbst jenes Wissen einstiger Koriphäen, deren Höhepunkt sich eindeutig in einem kleinen Städtchen in der Poebene namens Cremona befand, im Sand der Zeit versickerte. Auffällig ist zumindest, dass es primär meist nur einem Individuum aus prestigeträchtigen und alteingesessenen Geigenbaufamilien gelang, die Grenzen des Möglichen soweit zu verschieben, dass man in Teilen von Wundern sprechen kann, oder sie bis heute durch ihr Werk Rätsel aufgeben. So begann nach dem Tod des letzten goldenen cremoneser Meister namens Carlo Bergonzi eine Art Wettlauf der nachfolgenden Generationen, jene Wunder vergangener Zeit zu imitieren, zu kopieren ohne zu verstehen, dass rein handwerkliche Adaption und Perfektion nicht annähernd mit den Vorbildern konkurrieren konnten. Denn was bis in die heutige Zeit fortgesetzt und mit neusten akustischen Messmethoden sogar verfeinert wurde, führt die Geige als solches nicht in ihre ursprüngliche Bedeutung, sonder entfremdet sie fortlaufend. Einen akustischen Klon erzeugen zu wollen ist weder sinnvoll noch zielführend, sonder spiegelt jediglich die Unwissenheit und Ignoranz derer wieder, die dem Kopisten Wahn völlig unterliegen.

Sie vergessen, dass Kunst nicht allein Können bedarf, sondern den Drang in sich tragen muss emotio anderen spürbar zu machen, was im Grunde die einzige Aufgabe einer Geige ist. Der Musiker versucht seine emotio anderen menschlichen Individuen vorzutragen, es geht nicht um stumpfe Perfektion, sondern um Authentizität und grundlegendes menschliches Verhalten. Es geht um Fühlen, Wahrnehmen, Empfinden, Intuition und genau diese Eigenschaften sind es,welche die Möglichkeit bieten, ein universelles, aber doch menschliches, klangliches Unikat zu erschaffen. Somit geht es im Geigenbau in erster Linie darum, etwas zu schöpfen, dem ein menschlich universelles, aber doch persönlich einzigartiges, Empfinden innewohnt und das der Interpret zielführend versiert gebrauchen kann, um sich dadurch auszudrücken. Denn eine Geige, sofern sie mit diesem Bestreben gebaut wurde, besitzt eben jene Charakteristika, welche seit jeher auch den Mythos bilden, aber dessen Verständnis sich den meisten Menschen bis heute entzieht.

Arbeitsmethodik

Die Beschaffenheit der verwendeten Tonhölzer ist einzigartig, denn jedes Stück unterscheidet sich signifikant im Bezug auf Elastizität und Dichte. Nach sorgfältigem Aussuchen geeigneter Hölzer von Fichte und Bergahorn, geht es an die abschließende Lufttrocknung, die bis zu 3 Jahren andauert, um letzte Spannungen abzubauen. Jedes Stück strahlt in ein anderes Spektrum hinsichtlich Eigenresonanz und Klangstruktur, weshalb passende Paarungen gefunden werden müssen, die einen ähnlichen Grundcharakter aufweisen. So lässt sich vorab schon das Klang-Potenzial maximieren, bevor der Bau beginnt. Verwendet werden großteils Handwerkzeuge und Arbeitsmethoden, ähnlich wie denen vergangener Zeit, um das in Teilen verlorene Wissen zu rekonstruieren und spürbar zu erfahren. Die Wölbungen des Klangkorpus und die Schnecke sind von Hand gestochen und ohne Schablonen geformt, geleitet von Parametern wie Intuition, Erfahrung, Tastsinn, Klopfproben und Augenmaß und werden ausschließlich aus hochwertigem Vollholz geschnitzt.

Gebaut wird in Anlehnung an den empfindsamen Stil, welcher die Geige, die für viele als rein handwerkliches Konstrukt gilt, wieder zum Archetypus menschlicher Kunst erhebt. Formen müssen nicht der Schönheit genügen, sie unterliegen dem Zweck als solchem und offenbaren sich durch ihre Natürlichkeit und Schlichtheit. Je besser der Erbauer kinetische Kräfte abwägen konnte und sie in einen Rahmen der natürlichen Existenz eingebettet hat, desto mehr Klangpotential und auch emotionale Kraft werden dem Interpreten zur Verfügung stehen. Musiker und Instrument bilden im besten Fall einen symbiotischen Kreis, weshalb es wichtig ist, dass beide Ausdruck menschlicher emotio in sich tragen, um miteinander verschmelzen zu können.

Durch die spezielle Halbfreie Bauweise ist es mir möglich noch gezieltere und freiere Formgebung zu betreiben, die schlussendlich menschlich universell geraten und dennoch persönliche Unikate sind. Wölbungshöhe, Wölbungsform und Plattenstärken werden individuell und für jedes Instrument nach spezifischen Biegeprüfungen angepasst, womit sich der Klang am homogensten formen lässt. Zusätzlich wird eine erste Klangprobe vor dem Lackieren genommen, indem ein Probesteg angepasst und Saiten bespannt werden. Allem voran dient dies der Möglichkeit, eine Feinjustierung der akustisch komplexen Struktur mithilfe des menschlichen Gehörs vorzunehmen. Wird Holzmasse an bestimmten Stellen im Zehntelmillimeter Bereich abgetragen, lässt sich der Klang in unterschiedliche Richtungen verändern. Dies ist eine sehr komplizierte und heikle Prozedur, die ein sublimes Gespür sowie ausgereiftes Geigenspiel bedarf, doch dadurch wird roher,fast willkürlicher, Klang, durch menschliche Wahrnehmung justiert. Diese Prozedur beherrschten die großen Meister von einst, denn ein Instrument mit dieser Methode erbaut, singt deutlich komplexer und wirkt klanglich ausgereifter, da es eben noch mehr dem menschlichen Musikempfinden entspricht. Anschließend wird das Holz mit einer Kalk-Kasein Lösung versiegelt, die das Holz vor Rissen schützt, sowie zu tiefes Aufsaugen der Lacke verhindert und für mehrere Wochen UV-Strahlung ausgesetzt, um das Holz zu bräunen. Danach beginnt der Lackprozess, bei dem bis zu 15 hauchdünne Schichten von Öllack sorgfältig aufmasiert werden, dessen Beschaffenheit, ausgehend von chemischen Untersuchungen, denen der goldenen Cremoneser-Meister entspricht. Natürlich gewonnene Pigmente, Beizen und feinste Öllacke heben nicht nur die Holzmaserung hervor, sondern veredeln auch den Klang maßgeblich. Nach etwa einem halben Jahr Trocknungszeit ist die Geige für ihren finalen Steg bereit und kann eingestellt und eingespielt werden. Dies erfolgt solange, bis kein Zweifel mehr besteht und sie höchstem Anspruch genügt, um dann möglicherweise den Weg in Ihre Hände zu finden.


 

Über meine Person

Nach meinem Abitur im Jahre 2017 am musischen Albertus-Magnus-Gymnasium in Lauingen (Donau) wurde in mir das Interesse geweckt, meinen beruflichen Werdegang im musikalischen Sektor zu verwirklichen. Dadurch, dass ich während meiner Schullaufbahn ständig im Orchester- und Solospiel integriert war, hat sich in mir das Verständnis für die Großartigkeit und Besonderheit der Musik als Solches entwickelt. Daher beschloss ich, ein Teil des immateriellen Kulturerbes der Geigenbauer zu werden. Nach einer fachlich und menschlich hervorragenden Ausbildung an der Instrumentenbauschule in Klingenthal, fasste ich den Entschluss, weitere Energie und Zeit aufzuwenden, um ein näheres Verständnis des doch teils mystischen und komplexen Geigenbaus zu erhalten. So experimentierte ich anfangs recht radikal an verschiedensten Bauteilen, um deren Funktionsweise und Einflussbereiche besser zu verstehen. Durch den Bau einer historisch korrekten Barockgeige versuchte ich den Urkern der Geige zu erkennen und dem Klangideal einstiger Zeit nachzueifern.

Seitdem versuche ich die Grenzen des Geigenbaus neu auszuloten, um einen Klang zu bilden, der Vollkommenheit und geistige Individualität miteinander vereint. Durch das tägliche Bespielen meiner Instrumente möchte ich vor allem den langjährigen Reifungsprozess zu erfassen, um sowohl weiteres Wissen über die Geige zu generieren, als auch jenes direkt in zukünftige Bauten einfließen zu lassen.

Geigenbau ist keine rein handwerkliche Tätigkeit als solches, sondern ist für mich Lehrmeister und Motivator zugleich und bildet den Grundstein einer philosophischen und spirituellen Lebensreise.

Suchen sie eine Geige oder Bratsche für Ihre musikalische Reise, wenden sie sich an mich. In ausgewählten Einzellfälle ist nach persönlicher Absprache ein akustisch angepasster Steg sowie Klangeinstellung für Ihr bereits bestehendes Instrument möglich.

Ich biete keinen Reparatur-/Bogen-/Bestandteilservice an, ausgenommen für eigene Werke.

Ich bin damit einverstanden, dass diese Daten zum Zweck der Kontaktaufnahme gespeichert und verarbeitet werden. Mir ist bekannt, dass ich meine Einwilligung jederzeit widerrufen kann.*

* Kennzeichnet erforderliche Felder
Ich danke Ihnen! Wir werden uns so schnell wie möglich bei Ihnen melden.

© Urheberrecht. Alle Rechte vorbehalten. 

Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.